um mehr über das Kriegsende zu erfahren.
Im April 1945 nahm die US-Armee die Stadt Gera in Thüringen ein, aber die sollte nicht lange bleiben.
MDR: Bye Bye Amis, willkommen Sowjets!
Die Zeichnungen sind vom damals 10jährigen Hans-Peter Große, ein Augenzeuge des Kriegsendes in Gera.
⏩ Erinnerungen eines Geraer Künstlers an die Besatzer
MDR | Geschichte | NS-Zeit | Zweiter Weltkrieg | 1945
brennendes altes Waisenhaus / Museum im zerstörten Gera am 6. April 1945
aus "Gera, Geschichte der Stadt in Wort und Bild" 1987
Vor 80 Jahren wurden Deutschland und Europa vom Faschismus befreit, von außen, von der Roten Armee und von den Truppen der westlichen Alliierten. Dank Euch unbekannte Soldaten.
Wehrmacht und SS brachten in jedes der von Deutschland überfallenen Länder himmelschreiende Verbrechen, Zerstörung und Verfolgung. Nach der Eroberung von halb Europa führte Nazi-Deutschland gegen die UdSSR einen einzigartigen Raub-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg mit 27 Millionen Todesopfern. In jedem der besetzten Länder und Gebiete gab es Aufbegehren und Gegenwehr.
Deutsche Antifaschisten waren eingesperrt, wurden getötet oder sie hatten sich ins Exil retten können. Trotz Widerstands auch im Inneren, war die Mehrheit der deutschen Bevölkerung verstummt oder folgte den Nazis bis zum bitteren Ende.
Bei angloamerikanischen Luftangriffen auf Gera wurden am 12. Mai 1944 85 Menschen getötet und Bahnanlagen, Industriegebäude sowie Wohnanlagen beschädigt und zerstört. Weitere Luftangriffe folgten und am 6. April 1945 war der schwerste Luftangriff auf Gera. In sieben Wellen wurden Spreng- und Brandbomben abgeworfen. 142 Menschen starben und die Altstadt bis zum Hauptbahnhof und nach Untermhaus beschädigt sowie die Heinrichstraße, der Heinrichplatz und der Roßpatz fielen in Schutt und Asche... Bei Bomben- und Tieffliegerangriffen sowie durch Artilleriebeschuss wurden 548 Menschen in Gera getötet.
Am 14. April 1945 kapitulierten 1.200 Soldaten am Standort Gera. Die Stadt wurde durch Truppen der 7. US-Armee besetzt.Gera's OberbürgermeisterS.37, 2007
Der amerikanische Colonel Burhans notierte am 14. April 1945:Jeglicher Widerstand in Gera endete 13 Uhr.Der Krieg ist für Gera zu Ende. Zuvor, so erinnert sich Hans-Peter Große, haben die Amerikaner den Widerstand der Stadt mit Salven aus ihrer Panzerhaubitze geprüft. Einen ersten Gruß habe die Bäckersfamilie Hempel in der Ludwig-Jahn-Straße erhalten, deren Wohnung von einem Geschoss getroffen wurde.
Wie viele andere Geraer Bürger erblickte der elfjährige Hans-Peter unter den Soldaten der 80. Infanteriedivision aus Texas staunend erstmals einen schwarzen Soldaten. Neugierig drängten sich die Kinder um das Biwak der Amerikaner, wo vor derOssel, der Ostvorstädtischen Turnhalle Lagerfeuer brannten...
Am 2. Juli 1945 erlebte er den Abzug der amerikanischen und den Einzug der sowjetischen Truppen in Gera... ⏩ Kritischer Chronist mit Zeichenstift, von Elke Lier
Der 12. April 1945 war der letzte Tag, an dem in Gera eine Zeitung erschien. Fritz Sauckel, Thüringer Gauleiter, wird darin zitiert:Wer vor dem Feind die weiße Fahne hisst, wird als Landesverräter und Deserteur behandelt.
Am 13. April wurden Buchenwald-Häftlinge durch die Stadt getrieben.
Am 7. Mai 1945 setzten die amerikanischen Besatzungstruppen den Geraer Rechtsanwalt Dr. Rudolf Paul als Oberbürgermeister ein.
Am Montag, den 2. Juli 1945 kamen dann die russischen Truppen von Ronneburg her nach Gera.
⏩ Das Jahr 1945 | Befreiung vom Faschismus | Gera
Dokumentationen und Vorträge zur Naziherrschaft und Zeitungsartikel mit Fotos zum Kriegsende
mit Berichten von Zeitzeugen
⏩ Unterm Hakenkreuz Herausgeber: Gedenkstätte Amthordurchgang e.V Eine Dokumentation zum Lesen und Herunterladen
Terror, Verfolgung und Widerstand in Gera von 1933 bis 1945
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Vergessene Kinder - Kinder von Zwangsarbeiterinnen des Zweiten Weltkrieges in Gera Eine Dokumentation von Dr. med. Brunhilde Jung zum Lesen und Herunterladen.
Die promovierte Geraer Kinderärztin Brunhilde Jung war 2009 zufällig an den Kindergräbern auf dem Ostfriedhof vorbeigekommen und entzifferte unter den mit Moos bewachsenen Steinen mit wachsendem Entsetzen die Geburts- und Sterbedaten der Kinder.
Ergebnis dieser persönlichen Betroffenheit war ihre Dokumentation „Vergessene Kinder“ von 2010, die sie mit Unterstützung der Gedenkstätte Amthordurchgang herausgab.
Der Holzkünstler Marcus Malik erstellte das Mahnmal für die umgekommenen Zwangsarbeiterkinder auf dem Gräberfeld IIc des Ostfriedhofes.
2024 wurde im Anschluss an die Gedenkfeier für die Opfer des 6. April 1945 vom Künstler und der Vorsitzenden des Friedensbündnisses Gera, Petra Beck, das Denkmal enthüllt.
Das Friedensbündnis Gera e.V. finanzierte das Mahnmal und kümmert sich mit um die Pflege des Gräberfeldes, in Zusammenarbeit mit Schulklassen. Im Vorfeld des Gedenktages 2025 wurden Blumen am Denkmal gepflanzt.
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Gerda: 80 Jahre nach Kriegsende: Diese Spuren sind in Gera noch sichtbar
Seit 80 Jahren ist der Weltkrieg in Europa beendet, doch noch immer sieht man Spuren aus der NS-Zeit in unserer Stadt. Gerda hat sich auf die Suche gemacht.
⏩ Todesmärsche durch Gera Vortrag von Dieter Bauke von der Fachgruppe Heimatgeschichte im Kulturbund am 13. Februar 2025.
Dem Gedenken an die Leiden der KZ-Häftlinge und der Mahnung für uns und die Kommenden sind in Gera mehrere Gedenkorte gewidmet: Denkmal auf dem Ostfriedhof, Denkmal im Küchengarten, drei Gedenksteine an der Marschroute (Stadion, Wiesestraße, Röppisch).
Laut Herrn Bauke sind etwa 90 Häftlinge zwischen Köstritz und Weida auf den Todesmärschen umgekommen, 10 davon im Stadtgebiet von Gera.
Seit 1980 wird jährlich der Buchenwaldgedenklauf, von Bad Köstritz über Gera nach Weida führend, ausgetragen, als herausragendes Zeichen des Engagements gegen den Faschismus und für Frieden und Freiheit werden die Helden des antifaschistischen Widerstandskampes geehrt.
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Gerda: 80 Jahre nach Kriegsende: Todesmarsch-Gedenksteine...
Da, wo sie gestorben und meist auch begraben sind, erinnern Gedenksteine an die meist unbekannten Toten.
⏩ OTZ: 10.18 Uhr, 1945: In den nächsten 14 Minuten sterben in Gera 160 Menschen Um 10.18 Uhr am 6. April 1945 fielen die ersten Bomben an diesem Tag auf Gera nieder...
Hans-Peter Große ist zehn Jahre alt, er ist an diesem Freitag in Gera unterwegs. Er erlebt den Einschlag der Bomben mit. Er überlebt und ist heute einer der wenigen, die nicht nur mitreden sondern berichten können.
80 Jahre später, am Sonntag, 6. April 2025, sind alle Glocken dieser Stadt in Bewegung, sie wollen erinnern an den schwersten Bombenangriff der Alliierten, den Gera erlebte, kurz bevor Deutschland einen Monat und zwei Tage später kapitulierte.
In diesen 14 Minuten, von 10.18 bis 10.32 Uhr, am 6. April 1945 werden 311 Tonnen Brand- und Sprengbomben abgeworfen. Sie töteten 160 Geraer
, erzählt Matthias Wagner vom Stadtmuseum...
⏩ Die Häselburg Gera - Hausgeschichte
Das Mädchenheim existierte bis 1945. Im Untergeschoss befand sich bis in die 1950er-Jahre ein öffentliches Wannenbad.
Im April 1945 wurden das Gebäude und die Kessel des Wannenbads von einer Bombe getroffen.
32 Menschen, die im Keller Schutz gesucht hatten, starben durch das kochend heiße Wasser...
⏩ Gerda: Vor 80 Jahren: Gera wird von den Alliierten eingenommen Vor 80 Jahren: Gera wird von den Alliierten eingenommen
⏩ OTZ: Feindalarm in Geras Süden: Rudolf Heiland versteckt sich Rudolf Heiland ist acht Jahre alt, als die Amerikaner durch Liebschwitz ziehen. Im „Braukeller“ des einstigen Rittergutes, getrieben 20 Meter tief in den Berg, fanden die Liebschwitzer Schutz bei Bombenalarm.
⏩ OTZ: Letzten Wochen wurden für die Menschen in Gera zur tödlichen Realität Zwei Gedenkveranstaltungen zum Kriegsende am Donnerstag in Gera
Zum 80. Jahrestag des Tags der Befreiung von Krieg und Faschismus veranstaltet die Stadt Gera am Donnerstag, 8. Mai, im Stadtmuseum Gera eine Gedenkveranstaltung.
Neben Oberbürgermeister Kurt Dannenberg wird der Leiter des Stadtmuseums Konrad Kessler sprechen und es werden Videopassagen von Zeitzeugen gezeigt.
Um 17 Uhr lädt dann der Stadtverband Die Linke
und die Deutsch-Russische Freundschaftsgesellschaft zu einer Gedenkveranstaltung am Ehrenhain auf dem Ostfriedhof ein.
Die Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung wird neben Redebeiträgen der Veranstalter auch Rezitationen sowie Musikbeiträge enthalten.
Im Stadtmuseum konzipierten die Mitarbeiter die Ausstellung Das bedeutet Krieg
. Anlass und Ausgangspunkt waren zum einen eben der heutige Jahrestag und das Themenjahr 500 Jahre Bauernkrieg
, erklärt Konrad Kessler, Leiter des Stadtmuseums...
⏩ gera.de: Das bedeutet Krieg. Stadt und Menschen in bewaffneten Konflikten Sonderausstellung 31. Mai 2025 bis 19. Oktober 2025 im Stadtmuseum Gera
⏩ Festschrift Großaga 700 Jahre, 1248-1948
Ortsbürgermeister Alfred Rosenkranz
Als Fremdarbeiter
vieler Völker beherbergte sie unser Dorf während der unseligen Hitlerzeit und des Krieges.
Ganz gleich ob als Einzelperson oder familienweise.
Wahllos hin- und hergeworfen, wurden sie aus privat- oder staatskapitalistischem Interesse wie Sklaven in deutsche Rüstungswerke gepreßt oder wie bei uns im Dorfe in der Hauptsache auf den ehemaligen Kammergütern als billige und willige Unterstützungs- und Ausbeutungsobjekte der Landwirtschaft beigegeben.
Ein Kulturschandmal, den guten deutschen Namen befleckend!
⏩ OTZ: Rote Plakate regeln streng das neue Leben in Gera Am 14. April 1945 zogen die Amerikaner in Gera ein – der Krieg war aus
⏩ OTZ: Trümmerfrau mit elf Jahren: Eine Zeitzeugin aus Gera erinnert sich zum Weltfriedenstag Zeitzeugen berichten anlässlich des Weltfriedenstags am 1. September: Wie die Geraerin Marga Steinhäuser, heute 91 Jahre, den Bombenangriff vom 6. April 1945 auf Gera erlebte und den schrecklichen Tod ihrer Spielgefährten
⏩ OTZ: Sie werden immer rarer: Zeitzeugen der letzten Kriegstage in Gera gesucht
Am 8. Mai jährt sich der Tag der Befreiung, die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, zum 80. Mal.
Was aber wurde davon an diesem historischen 8. Mai 1945 in Gera bekannt? Hier lebte man schon 25 Tage unter amerikanischer Besatzungsmacht.
Das tägliche Leben forderte bei zerstörter Infrastruktur die Konzentration auf das Naheliegende, das Über- und Weiterleben nach dem Krieg.
Die letzte „Geraer Zeitung“ war am 14. April 1945 erschienen. Erst am 9. Oktober 1945 gab es die „Thüringer Tribüne“ als neue Tageszeitung in Gera.
Welche Nachrichten über das Radio, die üblichen Volksempfänger in Gera ihre Zuhörer erreichten, wer weiß das noch?
Die Alliierten richteten eigene Sender ein, damals war das das einzige tagesaktuelle Medium.
Unter Kontrolle der Sowjetischen Militäradministration wurde am 13. Mai 1945 die erste Radiosendung des Berliner Rundfunks ausgestrahlt.
Wichtige Befehle der Besatzungsmächte, Informationen und Bekanntmachungen wurden als Anschläge an Litfaßsäulen oder als Plakate verbreitet.
Bekanntmachung der Amerikaner
© Funke Medien Thüringen | unbekannt / Stadtmuseum Gera 08.05.2025
Informationen zu den Opfergruppen und Schäden während der Naziherrschaft und des 2. Weltkrieges in Gera
durch intensive Forschung u.a. von Elke Lier, der Kinderärztin Brunhilde Jung, der Gedenkstätte Amthordurchgang e.V. und mit
Unterstützung durch das Stadtarchiv zusammengetragen
Als einzige Partei bereitete sich die KPD frühzeitig auf die Fortsetzung ihres Kampfes gegen die NSDAP für den Fall der Machtergreifung durch Hitler vor...
⏪ Der 20. Juli 1944 und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, S. 23, Wolfgang Benz, Herausgeber: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen
Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde, rief die KPD zum reichsweiten Generalstreik auf. Allerdings stieß dieser Aufruf kaum auf öffentliche Resonanz...
Dennoch erreichte die KPD am 5. März 1933 zur Reichstagswahl 12,3 % (81 Sitze). Diese wurden drei Tage später unter Berufung auf die Reichstagsbrandverordnung annulliert. Am 26. Mai 1933 wurde das Vermögen der KPD eingezogen, ...
Die KPD hatte die größte Zahl von Toten im Widerstand gegen das Hitlerregime zu beklagen.
⏩ Unterm Hakenkreuz Terror, Verfolgung und Widerstand in Gera von 1933 bis 1945 Herausgeber: Gedenkstätte Amthordurchgang e.V S.73-86 Eine Dokumentation zum Lesen und Herunterladen
28 starben in Konzentrationslagern und Gefängnissen, und neun einige Zeit später an den Haftfolgen.
⏩ Das Jahr 1945 | Befreiung vom Faschismus | Gera
578 Geraer Antifaschisten, unter ihnen 77 Frauen, verbüßten Freiheitsstrafen oder 'Schutzhaft' in faschistischen Gefängnissen, Zuchthäusern oder Konzentrationslagern.
⏪ Gera, Geschichte der Stadt in Wort und Bild, Kapitel 7: Gera in der Zeit des Faschismus, Margot Fornfeist, 1987, S.173
Rudolf Diener war Funktionär im Rotfrontkämpferbund und Mitglied der KPD. 1934 wurde er verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Danach kam er in "Schutzhaft" nach Bad Sulza, Lichtenburg und Buchenwald... Am 13.3.1941 starb Rudolf Diener gewaltsam durch Verhör-Folter im Geraer Untersuchungs- und Gestapo-Gefängnis Amthorpassage.
⏩ stolpersteine-gera.de: Rudolf Diener
Anlässlich seines 25. Todestages ist seit 1966 eine Straße in Gera nach Rudolf Diener benannt.
⏪ Die Straßennamen der Stadt Gera, Siegfried Mues, Überarbeitung Manfred Taubert, S. 149-150
Rudolf Scheffel ... war von Februar 1923 bis Februar 1924 als Sachbearbeiter und Registraturgehilfe im Thüringischen Volksbildungsministerium in Weimar tätig. Auf Grund seiner Zugehörigkeit zur KPD seit 1922 und der Vorgänge um die sozialdemokratisch-kommunistische „Arbeiterregierung" vom 16.10. bis 2.11.1923 verlor Rudolf Scheffel seine Arbeit. Daraufhin übernahm er berufliche Funktionen in der kommunistischen Presse: ...
Nach 1933 war er im Widerstand aktiv. Am 1.8.1942 wurde er verhaftet, am 17.8.1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 8.9.1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Faschismus... 14.9.1947 Rudolf-Scheffel-Straße...
⏪ Die Straßennamen der Stadt Gera, Siegfried Mues, Überarbeitung Manfred Taubert, S. 251-252
Zwei weitere Opfer der Nazis waren der Bürgermeister von Röppisch (heute Stadtteil Geras), Alfred Böttcher, und der Lehrer Willi Eckner aus Korbußen (Landkreis Gera), die von SS-Offizieren niedergeschossen wurden.
Alfred Böttcher hatte seine Gemeinde aufgefordert, bei Annäherung der amerikanischen Truppen die weiße Fahne zu hissen. Willi Eckner hatte aus seinem Klassenraum das Hitlerbild entfernt.
⏪ Gera, Geschichte der Stadt in Wort und Bild, Kapitel 7: Gera in der Zeit des Faschismus, Margot Fornfeist, 1987, S. 173
Rudolf Paul, Johannisgasse: Er war kein Jude, aber mit der Jüdin Lilly Biermann verheiratet. Er war Rechtsanwalt, musste fliehen und seine Arbeit niederlegen. 1945 wurde er von den Amerikanern zum Oberbürgermeister von Gera berufen. Dieses Amt führte er nur wenige Monate aus, sodann wurde er Thüringens Ministerpräsident 1947.
⏩ Thüringige Landeszeitung (Gera):Ein Stein für jede FamilieFanny Zölsmann, 08 Mai 2026
2.639 Geraer Bürger ließen ihr Leben auf den Schlachtfeldern Europas, viele andere kehrten als Krüppel heim.
⏪Gera's OberbürgermeisterS.37, 2007
Zum tödlichen Rassenwahn der Nazis gehörte die Verdingung von Zwangsarbeitern aus den besetzten europäischen Ländern in die Rüstungsproduktion sowie in Wirtschaft und Landwirtschaft. Alsslawische Untermenschenwurden Ostarbeiter aus Polen und der Sowjetunion besonders unmenschlich behandelt.
In Thüringen waren während des Zweiten Weltkrieges 500.000 Menschen in Zwangsarbeit für Nazideutschland.
In Gera beuteten 18 Betriebe über 1000 Zwangsarbeiter aus, von denen 320 auf dem Ostfriedhof begraben wurden, vorwiegend Zwangsarbeiter aus dem Osten.
Selbst schwangere Frauen und Frauen mit Kleinkindern kamen ab 1942 auf Befehl Himmlers und unter Kommando des Thüringer Gauleiters Fritz Sauckel zur Zwangsarbeit auch nach Gera. Jeder Frau standen zwei Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Die Arbeitszeit betrug wöchentlich 50 bis 60 Stunden. Der Stundenlohn für Frauen betrug 45 Pfennige.
Das jüngste mit seiner Mutter nach Gera deportierte Kind war 1943 erst elf Monate alt. Zweimal am Tag durften die Frauen stillen, vor und nach der Arbeit. Grausames Verhungern wurde alsLebensschwächeauf dem Totenschein umschrieben, aber auch Lungenentzündung, Masern, Diphterie oder Blutvergiftung raffte die Kinder dahin.
68 tote Kinder wurden auf dem Ostfriedhofes bestattet, manche kaum einen Tag, andere wenige Wochen oder Monate alt. Nur 32 der toten Kinder wurden älter als ein Jahr. Insgesamt sind 85 tote Kinder von Zwangsarbeiterinnen bekannt.
Das Frauengemeinschaftslager Greizer Straße 36 war vorwiegend für Entbindungen vorgesehen, auch für Zwangsarbeiterinnen aus der Geraer Umgebung. Hier fanden 800 Frauen Aufnahme.
Als die Front 1944/45 schnell näher rückte, wurden die Leichen von 446 jüdischen Toten aus den KZ Buchenwald–Außenstellen Rehmsdorf und Gleina zur Einäscherung nach Gera gebracht. Ihre Namen wurden in der Friedhofskartei nicht festgehalten, die Asche in Papiertüten in einem Erdloch vergraben. Doch ein Friedhofsmitarbeiter besaß so viel menschlichen Anstand und Respekt vor den Toten, dass er entgegen der Anordnung ihre Namen, Vornamen, Geburts- und Sterbetag und den Ort ihrer letzten Stunde heimlich vermerkte. Im Juli 1949 erhielten diese 446 Toten unter dem Davidstern auf einem Messinggrabstein eine würdevolle Ruhestätte.
Auf dem Geraer Ostfriedhof liegen 1.326 Opfer des Zweiten Weltkrieges begraben.
⏩ Die unterschiedlichen Opfergruppen auf dem Ostfriedhof Ansprache von Frau Lier zur Veranstaltung am 6. April 2025 auf dem Ostfriedhof
1933 lebten 378 jüdische Personen in der Stadt. In den folgenden Jahren ist ein Teil der jüdischen Gemeindeglieder auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert.
Am 28. Oktober 1938 wurden 140 sogenannteOstjudenaus allen Stadtteilen abgeholt und zur Ausreise gezwungen; sie wurden an die deutsch-polnische Grenze transportiert.
Beim Novemberpogrom 1938 wurden die beiden Synagogen geschändet und demoliert (s.u.). Die meisten der jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt. Bis 1939 wurden die letzten jüdischen Geschäfte "arisiert".
Für die noch in der Stadt lebenden jüdischen Personen wurden sogenannteJudenhäusereingerichtet:.... 1942 wurden noch 64 jüdische Einwohner gezählt. Die meisten von ihnen wurden bei zwei Deportationen in diesem Jahr in Vernichtungslager verbracht: am 9. Mai 1942 waren es 34 jüdische Personen aus 18 Familien, darunter sechs Kinder, am 19./20. September 1942 weitere 14 jüdische Personen.
⏩ Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde
Herbert Biermann und Hilde Sternefeld, die ebenfalls in der „Literarischen Gesellschaft“ in Gera als Kassiererin tätig war, verlobten sich. Hilde Sternefeld trat zur jüdischen Religionsgemeinschaft über. Beide beabsichtigten 1939 zu heiraten, was ihnen von den Nationalsozialisten verwehrt wurde.
Nach der Machergreifung durch die Nationalsozialisten wurde das Leben für jüdische Mitbürger durch systematische Einschränkungen und Boykottmaßnahmen erschwert. Helga und Gerd sowie Günter mussten 1934 die Schule verlassen und kamen in ein jüdisches Landschulheim Caputh in der Nähe von Potsdam. Helga und Günter gingen mit 15 Jahren nach Palästina. Gerd besuchte bis 1939 das jüdische Gymnasium Siegmundshof in Berlin und konnte nach Palästina auswandern.
Die Familien Biermann bereiteten ihre Emigration nach 1934 vor. So ließ sich die Ehefrau von Erich Biermann als Kosmetikerin und Masseuse ausbilden, um später eine eigene Existenz aufzubauen.
Herbert und Erich Biermann wurden nach der Progromnacht am 10.November 1938 verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Nach einigen Wochen und ihrer Rückkehr aus Buchenwald mussten sie ihren Besitz und damit auch das Anwesen in der Wilhelmstraße 1 verkaufen. [3]
Erichs letzte Geraer Wohnung befand sich im Haus Blücherstraße 11. Er und seiner Frau gelang nach Kriegsbeginn die Ausreise in die USA (Brooklyn).
Herbert Biermann und Hilde Sternefeld erhielten die Zuweisung insJudenhausAgnesstraße 4. Erst nach Kriegsausbruch Anfang 1940 konnte er über Südosteuropa nach Haifa zu seinen Kindern auswandern.
Nach schwerer Krankheit verstarb Hilde Sternefeld im Oktober 1942 in den Milbitzer Heilanstalten.[4]
[3] Quelle: Artikel aus TLZ vom 22.2.1997, Die Villa wurde ein Treff der Künstler von Karin Lange
[4] Quelle: Juden in Gera II; Werner Simsohn ; Hartung-Gorre Verlag Konstanz 1998; Seite 25 ff, 228f.
Bürgerinitiative Luboldt-Garten Familie Biermann
In der Zeit des dritten Reiches sieht sich die Familie Biermann auf Grund ihrer jüdischen Abstammung wachsenden Repressionen und Verfolgungen ausgesetzt. Das Kaufhaus wird 1938 arisiert. Im Jahre 1940 gelingt es Herbert Biermann schließlich, zu seinen Kindern Gerd und Helga nach Haifa auszuwandern, die sich bereits seit 1935 bzw. 1939 dort aufhalten. S. 40 im Heft 37 des Naturkundemuseums
Georg Tietz wurde verfolgt. Er konnte mit der Familie 1938 fliehen und kam 1940 in den USA an
Elly und Waldemar Weber, Burgstraße: Neben dem Stein von Emmy Weber werden zwei weitere für die Eltern eingelassen. .Die Familie hat sich am 15. Oktober 1944 in ihrer Wohnung in der Burgstraße 5 umgebracht. Waldemar, Chefredakteur der Geraer Zeitung, wusste, dass er einen Tag später ins Arbeitslager und die Frauen nach Theresienstadt deportiert werden sollten., berichtet Matthias Weibrecht aus der Biografie.
Familie Goldmann, Markt 10: Vier Steine werden vor dem einstigen Schuhgeschäft Gebrüder Goldmann verlegt. 35 Jahre hat die vierköpfige Familie in Gera gelebt, bevor sie 1938 über Berlin nach Amerika zu fliehen versuchte.Doch dazu ist es nicht gekommen. Nur Gerda, die zweite Tochter des Ehepaares, konnte gemeinsam mit ihrem Mann nach Amerika fliehen. Hermann und Gertrud wurden 1942 nach Riga deportiert, und Tochter Erika brachte sich um.
⏩ Thüringige Landeszeitung (Gera):Ein Stein für jede FamilieFanny Zölsmann, 08 Mai 2026
Von den Bürgern jüdischen Glaubens starben 211 Menschen; die anderen konnten rechtzeitig emigrieren, sodass zum Kriegsende 1945 in Gera noch sechs Juden – vier Frauen und zwei Kinder – lebten.
⏩ Das Jahr 1945 | Befreiung vom Faschismus | Gera
…nach dem Ende der NS-Diktatur. Diese anfänglichen Gemeinden bildeten sich aus den circa 12000 jüdischen Partnern derMischehen, ungefähr 8000 deutschen Juden, die den Konzentrationslagern entkommen waren, maximal 3000 jüdischen Männern und Frauen, die im Untergrund überlebt hatten, sowie einigen Hundert Rückkehrern aus dem Exil. Hinzu kamen als eine besondere Gruppe die jüdischen Displaced Persons (DPs).“
⏩ Neubeginn | bpb.de, Herzig, Arno, 2010, S. 1
Auf Initiative des Jüdisch-Deutschen Kulturvereins Gera wurde im Oktober 2012 im Gebäude des Hauptbahnhofes eine Gedenktafel angebracht, die namentlich an die hiesigen Deportationsopfer erinnert.
Die Stadt Gera beteiligt sich seit 2008/2009 auch amStolperstein-Projekt. Inzwischen sind ca. 110 Steine verlegt worden, die an Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnern (Stand 2024).
⏩ Aus der Geschichte der Jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum | Gera
Im Vorfeld des 8. Mai 2025 wurden vom Oberbürgermeister Dannenberg weitere Stolpersteine in Gera verlegt.
⏩ Gerda:Wir machen sichtbar, was andere unsichtbar machen wollten: 12 neue Stolpersteine verlegt
Über 116.000 Stolpersteine wurden bisher in Europa verlegt, 124 davon allein in Gera.
⏩ Gerda:Gera ist eine Stadt mit Geschichte, aber auch der Haltung
Jede Familie soll wenigstens einmal mit einem Stein verewigt werden. Gemeint sind jene, die aufgrund ihrer politischen, religiösen oder sexuellen Gesinnung in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden ... 124 dieser goldenen Pflastersteine gibt es bereits in Gera...
⏩ Thüringige Landeszeitung (Gera):Ein Stein für jede FamilieFanny Zölsmann, 08 Mai 2026
Am 9. Mai 2026 kamen 8 Stolpersteine neu hinzu, aktuell sind 132 Stolpersteine in Gera gesetzt.
In Gera geborene und/oder längere Zeit am Ort wohnhafte jüdische Personen, die in der NS-Zeit als Gefangene umgekommen sind:
Die Angaben wurden den Listen von Yad Vashem, Jerusalem, den Angaben des Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
und stolpersteine-gera.de entnommen.
Gera, Thuringia. There is evidence of sporadic settlement as well as expulsion of Jews from Gera since the 14th century. A synagogue is known to have existed in 1502. A sizable Jewish population began to develop only in the late 19th century, increasing rapidly owing to the influx of Jews from Eatern Europe. A Jewish community was formally founded in 1885 and in 1895, there were 90 Jews in Gera engaged mostly in commerce. Hermann Tietz and his nephew Oskar Tietz, who came to Gera in 1882, were the founders of a chain of department stores all ober Germany. The Jewish population grew from 150 in 1900 to 519 in 1925 (0,6 % of the total). With the Nazi rise to power in 1933, many Jews emigrated and the Jewish population dropped to 378. ForcedAryanizationof Jewish businesses began here as early as 1933 and in 1934 the Tietz concern was forced to sell pout. In October 1938, all Jews who had Polish citizenship were deported to Poland. On Kristallnacht (9-10 November 1938), the two synagogues in Gera were vandalized and one destroyed, 36 Jewish men were arrested, and the Jewish shops were closed down. In 1939, only 77 Jews remained in Gera. They were deported to death camps during the war.
Gera, Thüringen. Seit dem 14. Jahrhundert gibt es Belege sowohl für eine sporadische Besiedlung als auch für die Vertreibung von Juden aus Gera. Für das Jahr 1502 ist die Existenz einer Synagoge bezeugt. Eine nennenswerte jüdische Bevölkerung begann sich erst im späten 19. Jahrhundert zu entwickeln und wuchs infolge des Zuzugs von Juden aus Osteuropa rasch an. Im Jahr 1885 wurde offiziell eine jüdische Gemeinde gegründet; 1895 lebten 90 Juden in Gera, die größtenteils im Handel tätig waren. Hermann Tietz und sein Neffe Oskar Tietz, die 1882 nach Gera kamen, waren die Gründer einer Kaufhauskette, die sich über ganz Deutschland erstreckte. Die jüdische Bevölkerung wuchs von 150 Personen im Jahr 1900 auf 519 im Jahr 1925 an (0,6 % der Gesamtbevölkerung). Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wanderten viele Juden aus, woraufhin die jüdische Bevölkerung auf 378 Personen sank. Die erzwungene „Arisierung“ jüdischer Unternehmen begann hier bereits 1933; 1934 wurde der Tietz-Konzern zum Ausverkauf gezwungen. Im Oktober 1938 wurden alle Juden, die die polnische Staatsbürgerschaft besaßen, nach Polen deportiert. Während der „Kristallnacht“ (9./10. November 1938) wurden die beiden Synagogen in Gera verwüstet – eine davon wurde zerstört –, 36 jüdische Männer verhaftet und die jüdischen Geschäfte geschlossen. Im Jahr 1939 lebten nur noch 77 Juden in Gera. Während des Krieges wurden sie in Vernichtungslager deportiert.
⏪ Article fromThe Encyclopedia of Jewish life Before and During the Holocaust. First published in 2001 by NEW YORK UNIVERSITY PRESS; Copyright © 2001 by Yad Vashem Jerusalem, Israel.
Herbert Biermann, Ehemann der Geraer Fotografin Aenne Bierman, schreibt aus der Diaspora im Jahr 1947 an seinen Geraer Freund Martin Engels
...nichts kann jemals diese Schande löschen, diese Widerstandslosigkeit eines ganzen Volkes gegenüber dem Sadismus des niedrigsten Pöbels!
Ein Brief aus HaifaS.2, Herbert Biermann, 1947
MDR: Warum Gera einem Brief aus Palästina eine ganze Ausstellung widmet Zitat von Herbert Biermann in der Audio-Datei ab Minute 2:20
... damit wir übermorgen blühen können.
aus der Ansprache zur Buchenwaldbefreiung 2025 von Marina Weisband
...Und ist es nicht bigott, hier zu mahnen und mit dem Finger auf Russland oder die USA zu zeigen, während auch wir uns im Wahlkampf primär damit befasst haben, wen wir alles abschieben können?
Wenn wir auf der Schwelle stehen, wieder zwei Klassen der deutschen Staatsbürgerschaft einzuführen? Die einen, die sie ganz selbstverständlich haben dürfen, und die anderen, wie ich, mit Migrationsgeschichte, die Sorge haben müssen, sie zu verlieren für das genau gleiche Vergehen?
…Es ist schwer, heute gegen Faschismus zu kämpfen. Weil man gegen eine Wand aus Ignoranz, Opportunismus, Gewohnheit und wohlgemeinter Naivität läuft.
Zitate von Rechtsradikalen? Geben wir als Medienhäuser wieder, man muss ja objektiv berichten über das, was ist. Und dann müssen wir sie zwecks Ausgewogenheit in Talkshows einladen.
Verbotsverfahren prüfen? Nein, wir müssen den Gegner politisch stellen. Das war übrigens auch die Einstellung der Konservativen 1930, die die SPD-Bestrebungen um ein Verbot der NSDAP damit ablehnten.
Faschismus lebt von diesem Weiter-so. Vom Opportunismus. Von vorauseilendem Gehorsam. Von Wegsehen... ... damit wir übermorgen blühen können. von Marina Weisband
Haben wir aus der Geschichte nichts gelernt?


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