1.Mai 2023
in Gera
Auf dem Marktplatz fand die DGB-Maifeier statt, auch mit Ansprachen des Oberbürgermeisters und des Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow. Er hat sich sehr fotogen und gefühlt eine Stunde unter sein Volk gemischt und wurde wohl nur 1x angepöbelt. Zu einem Vortrag/Veranstaltung kommen meist nur die Leute, die dem Inhalt so wieso weitgehend zustimmen. Wie erreicht man aber die anderen, wenn sich alle nur in ihrer Meinung bestätigt sehen möchten?
Ukrainerinnen tanzten nachmittags auf dem Marktplatz in Volkstrachten, besser buntbestickten weißen Blusen, nach Zumba-Rhythmen auf Ukrainisch und begeisterten die verbliebenen Besucher am Nachmittag.
Ukrainer verteilten auch kostenlos selbstgebackene Plätzchen. Diesmal waren sie wohl die Einzigen auf dem Marktplatz mit Gepäck. Es wurde auch gefragt, wo es diesmal Kuchen gibt. Wahrscheinlich nur auf dem zeitgleichen Hofwiesenparkfest am Fuß von Schloss Osterstein über drei Tage, wo sich diesmal die meisten Vereine am 1. Mai versammelt hatten.
Es war ein schöner Maitag, aber das Ende des Maitages mit der Einkesselung von hunderten Demonstranten gegen den AfD- Aufmarsch am Kultur und Kongresszentrum war nicht lustig.
Da Hunderte auch mit Zügen anreisten, die Verspätung hatten, wurden sie schließlich vor dem Veranstaltungsort von mindestens hundert Polizisten und einem Dutzend Polizeitransportern aufgehalten, da die angemeldete Anzahl von 80 Personen weit überschritten wurde, die auch noch zu spät eintrafen. Die Polizeitransporter standen Stoßstange an Stoßstange und man gelangte nicht hindurch. Für Polizei- und Krankenwagen mussten mehrfach die Transparente gegen Faschismus und Ausländerhass sowie für mehr Demokratie von der Straße geräumt werden.
Der Thüringer Innenminister (SPD) war auch vor Ort. Wiederholt sprachen die Organisatoren der Demos sowie der Landtagsabgeordnete der Linken und die Bundestagsabgeordnete der SPD mit dem Innenminister. Als der Innenminister verschwand, begannen die Leibesvisitationen. Sogar in die Schuhe wurde geschaut, wohl in der Hoffnung Drogen zu finden und die Personen damit dingfest zu machen. Es wurden wohl auch Geruchsproben genommen. Anfangs konnte man noch durch die Demonstranten laufen, dann wurden den eingekesselten Demonstranten von der Polizei die Transparente entrissen und in einem Polizeitransporter sichergestellt.
Die Montagsmahnwache der ISG am Stadtmuseum war auch am 1. Mai angemeldet und wurde von der Polizei nicht behelligt, sondern es wurde nur gefragt, wann wir gehen. Die Demonstration in der Bachgasse war auch angemeldet, wurde aber aufgehalten.
Wie später bekannt wurde, mussten die meist sehr jungen Demonstranten bis nach 22 Uhr im Regen ausharren und es wurden so mehr als 200 Personen erfasst, was an ganz schlechte Zeiten erinnerte, wogegen wir eigentlich demonstrierten.
Nachdem die AfD planmäßig nach 19 Uhr die Zelte abgebrochen hatte, räumten wir auch das wegen des Regens aufgestellte DGB-Zelt und unsere Banner gegen Faschismus, Ausländerhass und für mehr Demokratie weg und hängten alles zum Trocknen auf, ohne zu wissen, wie die meist jungen Demonstranten die Nacht bei Nieselregen durchstehen.
Die Fotoaufnahme mit Erkennungsnummer an einem weißen Transporter und die Leibesvisitationen an der Wand zur Otto-Dix-Passage gingen weiter, was an überkommen geglaubte Zeiten erinnerte, wogegen wir jeden Montag in Gera vor dem nahen Stadtmuseum demonstrieren.
Die Fotos zeigen, dass sogar Kinder im Kessel waren und alles friedlich begann, obgleich auch große Rucksäcke mitgeführt wurden, was wohl verdächtig aussah. Die Polizei stoppte den Zug wiederholt ab dem Hauptbahnhof und kesselte die Demonstranten schließlich neben dem Kultur- und Kongresszentrum ein. Für die Omas und Opas im Freiluftbereich des Café, waren dieser ereignisreiche Nachmittag und Abend vielleicht der traurige und schockierende Höhepunkt eines langen und bewegten Lebens. Da kann man schon den Glauben in die Polizei und den Rechtsstaat verlieren.
Veranstaltungshinweis: LÜTZERATH ist weggebaggert - aber die Erinnerung BLEIBT Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Mai 2023 in der Häselburg zu sehen.
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