Botanischer Garten
Bevor Sie sich auf den Weg machen, den Naturlehrpfad Gera-Süd zu erkunden, lohnt ein Abstecher in den Botanischen Garten. Die grüne Oase inmitten der Stadt zeigt Ihnen auf nur 0,7 ha "Ostthüringen im Kleinformat". Seit mehr als 100 Jahren werden hier für die Region typischen Pflanzengesellschaften der Laubwälder und Nadelholzforste, der Halbtrockenrasen, Fels- und Schotterfluren sowie der Feuchtwiesen und Gewässer eindrucksvoll dargestellt. Viele der etwa 400 Wildpflanzenarten des Gartens können Sie übrigens bei Ihrem Spaziergang entlang des Naturlehrpfades entdecken.
Im Jahr 1895 stiftete der Kommerzienrat Walther Ferber der Stadt Gera seinen parkartigen Garten mit dem markanten Turmhaus, zwei Quellen und einem vielfältigen Gehölzbestand zur Anlage eines botanischen Gartens für die Bildung und Erholung eines jeden Bürgers. Die "Grüne Schule" lädt zum Kennenlernen und Begreifen der Pflanzenvielfalt ein. Des Weiteren beherbergt das Areal einen Küchenkräutergarten und die pflanzensystematische Abteilung mit vielen interessanten Arten.
Wissen Sie eigentlich, wie die Spritzgurke zu ihrem Namen kam? Haben Sie die Pflanze schon entdeckt?
Der Überlieferung nach wurde die Lutherlinde am 31.10.1817 durch den Reußischen Regierungsstaatssekretär Christian Gottlieb Dinger gepflanzt - anlässlich des 300. Jahrestages der Reformation. Das ganze 19. Jahrhundert hindurch wurde Luther von verschiedensten Kreisen als Symbol deutscher Eigenständigkeit und Einheit vereinnahmt. Damals wurden überall Lutherbäume, -denkmale und -straßen geschaffen.
Gera erhielt 1877 eine Lutherstraße, 1883 wurde anlässlich Luthers 400. Geburtstags die Lutherschule eingeweiht.
" ... in der Eiche Schatten saß ich gern" schrieb Schiller im Drama "Die Jungfrau von Orleans" im Jahre 1801. Doch diese Eiche ist damit nicht gemeint, denn sie wurde erst 1859 zu Ehren seines 100. Geburtstages am Ende, der nach ihm benannten Straße, gepflanzt.
Die Eiche gilt als Symbol für die Ewigkeit, da das Leben einer Eiche bis zu 30 Menschengenerationen überdauern kann. Hier findet sich die Parallele zu Schillers Wirken.
Johann Christoph Friedrich von Schiller geboren am 10.11.1759 in Marbach am Neckar, gestorben am 9.05.1805 in Weimar, gehört auf Grund seiner außergewöhnlichen Lebensleistung als Dichter, Philosoph, Historiker, Dramatiker und Lyriker neben Goethe, Herder, Wieland zu den Weimarer Klassikern, die die humanistische Kulturgeschichte Europas seither maßgeblich beeinflussten. Viele seiner Theaterstücke gehören auch gegenwärtig zum deutschsprachigen Standardrepertoire. Unter Zwang musste er schon mit 14 Jahren zum Militär und begann dort ein Rechtsstudium, welches er später in ein Medizinstudium wandelte. Als Militärarzt arbeitete er nur bis zur Dissertation. Trotz widriger Lebensumstände nutzte er jede Möglichkeit, um an seinen Theaterstücken zu schreiben. Zu den bekanntesten Stücken gehören: "Die Räuber", "Don Karlos", "Wilhelm Tell". 1802 wurde Schiller geadelt.
Die Stieleiche, die zu Ehren Friedrich Schillers 1859 gepflanzt wurde, besitzt nun einen Stammumfang von etwa 2,80 m. Wie viele Menschen müssen sich heute an die Hand nehmen, um den Baum gemeinsam zu umfassen?
Aussichtspunkt und Gaststätte Ferberturm (Baudenkmal)
Am höchsten Punkt des Naturlehrpfades angelangt können Sie von der Ronneburger Höhe (304 m über NN) einen wunderbaren Blick über die Stadt genießen. Sie möchten mehr sehen? Dann bietet Ihnen der Ferberturm nach dem Erklimmen der Treppenstufen bei klarem Wetter eine Aussicht bis ins Erzgebirge.
Der 21 m hohe Turm wurde in den Jahren 1874/75 von der Handelsfamilie Ferber aus Leumnitzer Zechsteinrauchwacke errichtet und als Stiftung in das Eigentum der Stadt Gera über schrieben. Es lag in der Absicht der Spender, dass jeder den Turm ungehindert und kostenlos nutzen kann. Zum Turm gehörte ein als Ruine gestalteter Anbau mit einer Gaststätte und einer Wohnung. Gottlieb Krieg, als 1. Wirt für den Schutz des Turmes verantwortlich, machte sich wegen seines derben, aber gutmütigen Humors als "gröbster Wirt von Gera" einen Namen.
In der Vergangenheit wurde der Turm wegen seines exponierten Standortes auch als Wetterstation genutzt. Etwa 40 Orte in der Umgebung konnten die Vorhersage für den nächsten Tag an den an einer Fahnenstange hochgezogenen Körben ablesen. Welches Wetter wurde wohl mit zwei großen, rot-weiß-gestrichenen Körben angekündigt?
Tanzende Schmetterlinge, duftende Blumenwiesen und blühende Obstbäume - wer würde sich da nicht gern vom Alltag erholen und die Seele baumeln lassen? Naturnahe Gärten sind jedoch nicht nur ein Lebens- und Rückzugsraum für den Menschen, sondern auch für wildlebende Tiere und Pflanzen. Hautnah lässt sich der Lauf der Jahreszeiten miterleben: das Aufplatzen der Knospen im Frühjahr, die farbenfrohen Blüten im Sommer, die reifen Früchte im Herbst, die mit Reif überzogenen Gräser nach den ersten kalten Winternächten ...
Maßgeblich für einen naturnahen Garten ist nicht seine Größe, sondern vielmehr seine Artenvielfalt und die untereinander abgestimmten Bestandteile. Sie entscheiden über das Funktionieren eines kleinen Ökosystems. Auf die Produktion von Kräutern, Obst und Gemüse sowie den Blütengenuss muss dabei nicht verzichtet werden. Erwiesen ist zudem, dass naturnahes, bewusstes Gärtnern nicht mehr, sondern weniger Pflegeaufwand bedeutet. Durch die Artenvielfalt sind stets genügend natürliche Gegenspieler vorhanden, die unerwünschte Tiere dezimieren. Was meinen Sie wer sich mit Zwiebeln im Erdbeerbeet vertreiben lässt, damit die leckeren Früchte hängen bleiben?
Der Zaufensgraben macht seinem Namen alle Ehre und das gleich im doppelten Sinn. "Zaufe" stammt vom Wort Zauche (auch Zarche) ab und bedeutet so viel wie Rand. Der Zaufensgraben war die südliche Grenze der 999 erwähnten "provincia gera". Geologisch markiert er die Grenze zwischen dem mergeligen Unteren und dem dolomitischen Oberen Zechstein, der durch das Zechsteinmeer vor etwa 260 Millionen Jahren abgelagert wurde.
Im unmittelbaren Umfeld des Zaufensgrabens konnte sich ein vielfältiges Mosaik an Biotoptypen entwickeln, das von Halbtrockerrasen bis zu Schluchtwäldern reicht. Hinzu kommen die aufgelassenen Steinbrüche, in denen in der Vergangenheit Kalk abgebaut wurde.
Die Geologie, die historische Bedeutung und die naturbedingte Artenvielfalt mit dem kleinräumigen Wechsel an Biotoptypen waren am 1. Juni 1952 der Grund für die Unterschutzstellung als Landschaftsschutzgebiet (LSG). Dieses mit etwa 19 ha kleinste LSG der Stadt Gera hat für die Naherholung eine große Bedeutung. Seine lauschigen Wanderwege sind für Kenner der Örtlichkeit ein magisches Ziel.
"Einmal Wuitz-Mumsdorf, bitte!" - So klang es bis 1969, wenn sich Reisende von Gera-Pforten mit der Gera-Meuselwitz- Wuitzer-Eisenbahn (GMWE) auf den Weg in das Altenburger Land machen wollten.
Die meterspurige Bahnlinie mit einer Länge von über 31 km verband 68 Jahre das Braunkohlengebiet um Meuselwitz mit der aufstrebenden Industriestadt Gera, wo die " Kohlebahn " über das städtische Straßenbahnnetz bis zu 25 Fabriken direkt mit dem wertvollen Brennstoff versorgte. Nach einem Unwetter im Jahr 1969 wurde die Strecke durch die Deutsche Reichsbahn stillgelegt. Heute erinnern nur noch die ehemaligen Bahnhofsgebäude, beispielsweise in Gera-Pforten, sowie Schwellenreste im Verlauf der Strecke an die Schmalspurbahn.
Was schätzen Sie, wie lange die Fahrt mit den Personenzügen über die 31 km dauerte? Mindestens 2 Stunden!
Haben Sie den Guten Heinrich gesehen? Wahrscheinlich nicht, denn der früher sogar als Spinat und Heilpflanze genutzte Vertreter dorftypischer Pflanzen ist heute eher ein Fall für das Museum.
Unsere ländlichen Siedlungsräume waren bis vor wenigen Jahrzehnten von vielfältigen, kleinbäuerlichen Nutzungen geprägt, die auch innerhalb der Dörfer genügend Lebensraum für Pflanzen und Tiere ließen. Die Dachböden, Ställe und Scheunen boten zahlreichen wild lebenden Tieren ein Quartier. Selbst von den Lehmgefachen profitierten gebäudebewohnende Insektenarten. Doch diese vom Menschen geschaffenen Unterkünfte sind durch die Sanierung und Modernisierung der Gebäude verloren gegangen. Oft wurden Einflugöffnungen aus Unwissenheit oder falsch verstandener Ordnungsliebe verschlossen. Nicht nur Schleiereulen, Steinkäuze und alle Fledermausarten stehen auch deshalb auf den aktuellen "Roten Listen" der gefährdeten Arten.
Ähnlich erging es auch vielen Pflanzenarten. Früher störte es kaum jemanden, wenn sich an unbefestigten Wegen Wildkräuter etablierten oder sich die Ackerwinde an den Holzzäunen emporrankte. Heute suchen wir oft vergeblich danach.
Feldraine und Wegränder- Bedeutung für den Artenschutz
Das landwirtschaftliche Wegenetz in Deutschland umfasst etwa 325.000 km und reicht damit mehr als 8 mal um den Äquator. Dennoch werden Feldraine und Wegränder von den Landwirten im wahrsten Sinne des Wortes an den Rand gedrängt oder ganz beseitigt, um die nutzbare Ackerfläche ständig zu vergrößern.
Diese "Randstreifen" sind jedoch die wichtigsten Vernetzungselemente der intensiv genutzten, ausgeräumten Agrarlandschaft. Ihr Zustand entscheidet, ob wild lebende Pflanzen und Tiere in Ihrem Lebensraum bestehen und können. Sind die Feldraine und Wegränder naturbelassen und ausreichend dimensioniert, erhöht sich die Attraktivität der Landschaft. Es gehört daher zu den zwingenden Aufgaben, Wegränder unter anderem durch Pflanzungen vor Beeinträchtigungen durch die Landwirtschaft zu schützen. Jeder Eigentümer eines Feldes kann einen aktiven Beitrag zur Belebung unserer Landschaft leisten, indem er beispielsweise einen Grenzbaum pflanzt und pflegt.
Selbst wenn am Wegesrand nur "Unkraut" wie Brennnesseln und Disteln zu finden sein sollten, ohne sie gäbe es viele Tagfalter nicht. Oder meinen Sie, dass der Kleine Fuchs lieber Gänse stehlen würde?
Der Turm gehört zum ehemaligen Pfortener Gut, das im 13. Jahrhundert als Wasserburg angelegt wurde.
Im Winter 2003/2004 wurden die seit langem verkommenen Überreste des Guts abgerissen. Nur das Türmchen war erhaltenswert. Es wurde im Auftrag des Geraer Verkehrsbetriebs fachgerecht saniert und zum Artenschutzturm für Fledermäuse und Vögel umgebaut.
Auch dies gehört wie die Hochwasser- und Naturschutzmaßnahmen auf dem gesamten Gelände zum ökologischen Ausgleich für den Stadtbahnbau.
Außen und innen im Turm sind Quartiersteine für Fledermäuse und Brutmöglichkeiten für Vögel, wie Mauersegler, Turmfalken, Mehlschwalben und andere Singvögel.