Es wird versucht, die
Situation bei der Gründung des Kulturbundes im November 1945 in Gera zu
erfassen, für die Feier zum 80. Gründungsjubiläum im November. Das Buch “Gera‘s
Oberbürgermeister“, aus 2007 wurde schwerpunktmäßig zitiert, da nicht für
alle Oberbürgermeister von Gera ein Webauftritt entdeckt wurde, aber alle aus
einer Informationsquelle gleichartig behandelt werden sollten. Dem Stadtmuseum
und dem Stadtarchiv Gera wird der Text zur Prüfung vorgelegt, da sich wieder
Unterschiede in den Quellen zeigen, was anders nicht so sachkundig geklärt
werden kann. Durch die sachkundigen Hinweise entsteht ggf. ein eigenständiger
Text und die Zitatquellen werden zu Literaturquellen, die zur Erstellung des
Textes genutzt wurden.
Hier der Link zur weiter
zu bearbeitenden Webseite zum aktuellen Zeitpunkt:
https://foedisch-web.lima-city.de/Veranstaltungen/8_Mai_2025.html
Ähnlichkeiten zur
Webseite
https://foedisch-web.lima-city.de/Veranstaltungen/Kriegsopfergedenken_2025.html sind
gewollt, da ähnliches Thema zum Kriegsende 1945. Es sind nun auch Texte aus
weiteren Informationsquellen auf der neuen Webseite.
Die Karikaturen von
Hans-Peter Große werden auf beiden Webseiten als Kriegskarikaturen gezeigt,
auch um diese bekannt zu machen, damit doch noch zum Jubiläum eine Ausstellung im
Kulturbund erfolgt, da Hans-Peter Große auch beim Kulturbund mitarbeitet. „Kritischer Chronist mit Zeichenstift“, ein
Bericht von Elke Lier.
„Am 2. Juli 1945 erlebte er den Abzug der
amerikanischen und den Einzug der sowjetischen Truppen in Gera…
Die
Entnazifizierung nimmt auf seiner Zeichnung leibhaftige Gestalt an mit dem
Direktor seiner Lutherschule, einst strammes NSDAP- Mitglied und zu Hitlers
Geburtstag in der gelb-braunen Uniform der SA mit Ehrendolch vor der Schulklasse,
rollt er nun als Müllmann die Aschekübel.“
In der OTZ wurde
die Bekanntmachung des Oberbürgermeister Paul und das Transparent zur Begrüßung
der sowjetischen Soldaten entdeckt, siehe unten. Dazu wurde interessantes
Material zu Rudolf
Paul
kopiert, dem erstem OB nach dem Krieg, auch da Rudolf Paul zum
Freundeskreis der Biermanns zählte, wie auch Rudolf Hundt und Kurt Gröbe, zwei
Mitbegründer des Kulturbundes in Gera, der auch im November 1945 gebildet
wurde.
„Besonders
stolz war er auf die Eröffnung des Theater mit ‚Die Hochzeit des Figaro‘ von W.
A. Mozart am 15. September 1945 und die Beratung mit Geraer Künstlern.“ “Gera‘s Oberbürgermeister“, S. 38-39,
2007
„Der amerikanische Stadtkommandant Major Ritterspacher ernannte den bekennenden Antifaschisten Paul zum Oberbürgermeister der Stadt und des Landkreises Gera… Was er nicht ahnte: Den Amerikanern war klar, dass sie die Stadt bald wieder verlassen würden...
Noch am 1. Juli, die Amerikaner verließen gerade die Stadt, erschien der Offizier eines Vorauskommandos der Roten Armee bei Oberbürgermeister Paul…
„‘Mein General läßt Sie wissen: So wie wir empfangen werden, wird die Bevölkerung von uns behandelt.‘…
Noch am gleichen Tag ließ er Flugblätter drucken und einen Plakataufruf kleben. Darin wurde die Bevölkerung Geras aufgefordert, die neuen sowjetischen Besatzer nicht zu fürchten, sondern diese als die Befreier vom Faschismus freudig zu begrüßen. Zusätzlich ließ Paul noch in der Nacht Transparente malen und aufhängen. Auf diesen Bannern wurden die sowjetischen Truppen herzlich willkommen geheißen…
Als am Montag, den 2. Juli 1945, die Rote Armee in Gera einzog, standen tausende Einwohner Geras, darunter natürlich viele Kommunisten, auf dem Marktplatz und begrüßten die neue Besatzungsmacht mit Blumen… Der sowjetische General war beeindruckt. Paul hatte diesen Montag für ganz Gera zum arbeitsfreien Tag erklärt. Und wirklich entstand eine gelöste, fast volksfestartige Stimmung…
Auch in anderen, weiter westlich gelegenen Städten versuchte man in den darauffolgenden Tagen den Geraern nachzueifern und die sowjetischen Truppen freundlich zu begrüßen…
Pauls Agieren in Gera wird deshalb auch eine Rolle gespielt haben, als der Oberkommandierende der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, Marschall Schukow, ihn am 16. Juli 1945 zum Landespräsidenten des Landes Thüringen ernannte…“
Aus der Biografie
von Rudolf Paul
„1924 wurde er Staatsanwaltrat in Gera.
In Ausübung seines Amtes beabsichtigte er, Hitler
festzusetzen und als „lästigen Ausländer“ abschieben zu lassen. Dazu
benötigte er einen Strafantrag des Reichstages, der jedoch vom
Reichspräsidenten Friedrich Ebert… abgelehnt wurde…
Nach erteiltem Berufsverbot und Entzug der
Rechtsanwaltserlaubnis durch die Nationalsozialisten ging er als Landwirt nach
Ulrichswalde bei Stadtroda. 1938 ließ er sich von seiner Frau Lilly, der
Tochter des Geraer Kaufhausbesitzers Max Biermann, scheiden. Lilly Paul zog
nach Berlin, wurde 1942 wegen ihrer jüdischen Herkunft deportiert und starb am
1. Januar 1945 im KZ Stutthof…
Am 7. Mai 1945 wurde Paul vom amerikanischen
Stadtkommandanten und Militär-Gouverneur zum Geraer Oberbürgermeister ernannt,
zusätzlich wurden ihm alle Behörden unterstellt. Bis zum Juli 1945 wirkte er
maßgeblich an der Neuordnung der Stadt Gera mit… Am 16. Juli 1945 wurde er nach
der kurzen Amtszeit von Hermann Brill in der nunmehrigen Sowjetischen
Besatzungszone zum Landespräsidenten des Landes Thüringen gewählt und am 14.
August 1945 auf Befehl von Marschall Schukow zum Ministerpräsidenten ernannt…
Paul war ein überzeugter Befürworter der
Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone. Nach seiner Überzeugung
durfte angesichts der ungleich verteilten Kriegsschäden in Deutschland durch
Bombenkrieg, Vertreibung usw. das zufällig erhalten gebliebene Privateigentum
nicht unantastbar sein. In diesem Sinne verfügte er Ende 1946 auch eine für die
gesamte SBZ beispielgebende sozialpolitische Gesetzgebung für Vertriebene (in
der SBZ Umsiedler genannt) zur Umverteilung überschüssigen Hausrats und zur
Verpachtung von Gartenparzellen. Deren Erfolge blieben jedoch aufgrund der
Widerstände in der alteingesessenen Bevölkerung begrenzt.
Auf ihrem Thüringer Gründungsparteitag im April 1946
trat Paul der SED bei, um sich parteipolitisch besser abzusichern. Bei der
Landtagswahl 1946 wurde er für die SED in den Thüringer Landtag gewählt. Von den Kommunisten in
der SED beargwöhnt, war er jedoch weiterhin maßgeblich vom Vertrauen der
sowjetischen Besatzungsmacht abhängig. Nach Konstituierung des im Herbst 1946
gewählten neuen Thüringer Landtages wurde er im Januar 1947 zum
Ministerpräsidenten des Landes Thüringen gewählt,... Sein Handlungsspielraum
wurde in der Folgezeit immer mehr eingeschränkt…
Am 1. September 1947 flüchtete er über West-Berlin in
die amerikanische Besatzungszone,...
Er war über 30 Jahre lang als Rechtsanwalt in
Frankfurt am Main tätig.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Paul
„Im
September 1947 gibt er sein Amt aus politischen Gründen auf…“ aus „Ein Brief aus Haifa“ Lebenswege,
Rainer Kraus, S. 26, wo Ähnliches wie auf Wikipedia zu lesen ist.
Verwendet wurde bei
der Beschäftigung mit den Bürgermeistern von Gera im Zeitraum 1925 bis 1955 vorrangig
das Buch “Gera‘s Oberbürgermeister“, erschienen 2007. Einige OBs haben
auch einen Webauftritt-Auftritt.
Zusammengestellt
nach „Gera’s Oberbürgermeister“ 2007
„Weil Gera für 1932 keinen ausgeglichenen Haushaltsplan vorlegen konnte, wurde durch das Thüringer Ministerium des Innern der Weimarer Ministerialdirektor im Wartestand Dr. Ernst Jahn am 30. April 1932 als Staatsbeauftragter eingesetzt. Durch von ihm veranlasste drastische Kürzungen vor allem in den sozialen Bereichen wurde der Haushalt ausgeglichen.
Nach der Bildung der nationalsozialistischen Landesregierung in Thüringen am 26. August 1932 und einem Besuch des Gauleiters Fritz Sauckel… wurde Oberbürgermeister Dr. Walter Arnold sowie die Beigeordneten Walter Sausse, Dr. Viktor Trautner und Hermann Drechsler beurlaubt. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Drechsler)
Der Stadtrat durfte ohne ausdrückliche Zustimmung des Staatsbeauftragten nicht zusammentreten. Damit war gerade in Gera in Bezug auf die kommunale Selbstverwaltung das Radikalste geschehen, was Deutschland auf dem Gebiet bisher erlebt hatte. Der Staatsbeauftragte Dr. Jahn hatte den Nationalsozialisten in Gera den Weg geebnet.“ S. 33
https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Arnold_(Politiker,_1882)
Hitler war bis zur
Beurlaubung des OB Arnold bereits 5x in Gera
„Adolf Hitler besuchte die Stadt Gera das erste Mal am 13. November 1925, und zwar gemeinsam mit Rudolf Hess im Rahmen einer Fahrt durch mehrere Städte in Thüringen. Vor dem Lokal seines Auftrittes in der Heinrichstraße protestierten Sozialdemokraten und Kommunisten gegen die NSDAP.
Der nächste Besuch Hitlers folgte am 25. November 1925.
Am
12. Juli 1930 hielt Hitler zum Gauparteitag der NSDAP eine Rede im
Gesellschaftshaus „Heinrichsbrücke“.
Am 5. September 1931 kam er erneut und sprach am Marktplatz sowie am Gesellschaftshaus „Heinrichsbrücke“, anlässlich des 7. Thüringer Gauparteitages…
Am 26. Juli 1932 sprach Hitler vor rund 40.000 Anhängern auf dem Geraer Schützenplatz. Mitglieder der Eisernen Front und der KPD protestierten gegen ihn.
Auch am 17. Juni 1934 hielt Hitler in Gera eine Rede…
Die erste Gruppe, die den Namen „Hitlerjugend“ führte, war eine NS-Jugendgruppe in Gera.... Die regionale Gruppe war am 2. Mai 1926 gegründet worden.
Am 8. Oktober 1923 entstand die Ortsgruppe Gera der NSADP.“
https://www.studiogera.de/001/2019/01/30/gera-und-die-zeit-des-nationalsozialismus/
Aus den Biografien der beiden
Oberbürgermeister von Gera in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Buch „Gera’s Oberbürgermeister“
2007
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https://www.erfurt-web.de/Oberb%C3%BCrgermeister_Walter_Kie%C3%9Fling In
der „Judenfrage“ versuchte er, die Stadt Erfurt als Vorreiter zu profilieren. |
Walter Kießling - 1933-1936 / S. 34-35 In der Sitzung der Gemeindevertretung am 24. März 1933 wurde Walter Kießling zum Oberbürgermeister mit der Mehrheit von 13 Stimmen des Bürgerbundes, der Haus- und Grundstücksbesitzer und der NSDAP gewählt. Bereits im Dezember 1933 gab er die Entlassung von 97 Beamten, darunter des Beigeordneten Hermann Drechsler, 31 Angestellten und 76 Arbeitern „wegen nationaler Unzuverlässigkeit" bekannt. Von 1936 bis 1945 war Walter Kießling Oberbürgermeister der Stadt Erfurt. Einerseits war er in der Verfolgung von jüdischen Bürgern in Erfurt nicht nur gehorsamer Befehlsempfänger, sondern setzte aktiv die Anordnungen um. Andererseits wurde Erfurt durch seine Initiative kampflos an die US-Armee übergeben, obwohl der Kampfkommandant eine Kapitulation ablehnte. Nach seiner Festnahme durch die US-Armee am 23. Mai 1945 und der Internierung in mehreren Lagern wurde er im September 1947 entlassen. 1949 wurde sein Entnazifizierungsverfahren mit „entlastet“ abgeschlossen. …er engagierte sich im Göttinger Mieterschutzverein, dessen Vorsitzender er von 1959 bis 1966 war. Er verstarb 1966 im Alter von 73 Jahren. |
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https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Zinn Otto Zinn war maßgeblich an der
Umsetzung des Pogroms gegen die jüdischen Bürger Geras am 9.
November 1938 beteiligt. |
Otto Zinn - 1936-1945 / S. 36-37 Seit 1933 war er Kreisleiter der NSDAP in der Stadt und im Landkreis Gera. Am 27. April 1936 wurde Otto Zinn entsprechend eines Auftrages durch den Reichsstatthalter und Gauleiter Thüringens, Fritz Sauckel, durch den Thüringer Innenminister als Oberbürgermeister der inzwischen 83.000 Einwohner zählenden Stadt berufen. Am 9. November 1938 wurde in der sogenannten „Reichskristallnacht“ die Synagoge im Hotel „Kronprinz" (ehemals Ecke Roßplatz-Schülerstraße) durch die Nationalsozialisten zerstört und die männlichen Juden in das KZ Buchenwald verschleppt. Bereits vor diesem Zeitpunkt wurden jüdische Einwohner von Gera gezwungen auszuwandern oder wurden am 28. Oktober 1938 nach Polen „abgeschoben“. Von den 378 jüdischen Einwohnern 1933 in Gera wurden bis 1945 212 Opfer des Holocaust /94/. An Hand von Unterlagen der Stadtverwaltung ist nachweisbar, dass Oberbürgermeister Zinn den Pogrom 1938 stabsmäßig unterstützt hatte. Wegen Magenleidens war er mehrfach und längere Zeit zwischen 1943 und 1945 zu Kuraufenthalten abwesend und konnte seine Aufgaben als Oberbürgermeister in der für die Stadt und ihre Bürger schwierigen Situation nicht wahrnehmen. Otto Zinn wurde als Oberbürgermeister der Stadt Gera von einem Vertreter der US-Armee offiziell am 13. Mai 1945 abberufen. Er verstarb am 6. April 1993 in Soest. |
In der OTZ sind
einige interessante Bilder von den Zerstörungen am Kriegsende zu finden.
https://www.otz.de/lokales/gera/article408961479/letzten-wochen-wurden-fuer-die-menschen-in-gera-zur-toedlichen-realitaet.html (Der Text dazu ist zumindest verwirrend: )
„Gera.
Am 8. Mai 1945 marschierten US-Soldaten in Gera ein und besetzten die Stadt…“ einige Fotos folgen.
„Im Stadtmuseum konzipierten die Mitarbeiter die Ausstellung ‚Das bedeutet
Krieg‘. ‚Anlass und Ausgangspunkt waren zum einen eben der heutige
Jahrestag und das Themenjahr 500 Jahre Bauernkrieg‘, erklärt Konrad Kessler,
Leiter des Stadtmuseums... Die Sonderausstellung ‚Das bedeutet Krieg. Stadt und
Menschen in bewaffneten Konflikten‘ wird im Stadtmuseum Gera vom 31. Mai bis
19. Oktober zu sehen sein.“
Es wird versucht mehr
zur Situation nach 1945 bei der Gründung des Kulturbundes zu erfassen, der im
November sein 80 jähriges Jubiläum feiert.
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„Als der "Führer" beinahe Thüringer geworden wäre“
„Als Adolf Hitler 1932 für die
Wahl zum Reichspräsidenten kandidieren will, steht er vor einem Problem: Der
selbst ernannte "Führer" des deutschen Volkes ist nicht im Besitz der
deutschen Staatsbürgerschaft…
Hitlers Anhänger versuchen, ihm
einen deutschen Pass zu verschaffen, doch erst beim siebten Anlauf klappt es…“